42,195km in Hallenturnschuhen

42,195km in Hallenturnschuhen

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Wenn sich zwei Idioten denken: „Einmal im Leben sollte man doch mal einen Marathon gelaufen sein“ 

Dann bin einer davon ich.

Im Frühjahr 2003, es wurde gerade wärmer, überlegten mein Freund Cornelius und ich wo wir denn Marathon laufen wollen. Da wir zu dieser Zeit beide in Potsdam wohnten und in diesem Jahr dort der „Potsdamer Schlößermarathon“ Premiere feierte meldeten wir uns einfach an. 

Einfach gemacht

Einfach so. Wir hatten nichts mit „Laufen“ am Hut. Wir waren nur der Meinung das man doch mal 42,195km am Stück laufen sollte in seinem Leben. Ich finde, mit 18 Jahren kann man mal so eine blauäugige Entscheidung treffen. Die Anmeldung war schnell getätigt. Danach trafen wir uns Regelmäßig zum gemeinsamen laufen. Regelmäßig heißt hier, zwei mal, je 15km, mehr nicht.

Ich muss schon leicht schmunzeln wenn ich das alles 15 Jahre später so tippe. 

Nun gut, der Tag des Starts war gekommen. Die Schuhwahl war bei mir schnell geklärt, denn ich hatte nur ein paar Turnschuhe. Hallenturnschuhe von Adidas, die mit der hellen Sohle, ich wollte ja bloß keine Streifen auf dem Märkischen Asphalt hinterlassen. 

So ein Lauf läuft sich recht unbedarft und leicht wenn man sich über nichts, absolut gar nicht im Vorfeld Gedanken macht. Über plötzlich auftretende Getränkestände und geschnittene Bananen freuten wir uns wie kleine Kinder. Nach ca. 10km gab es erstmal eine Pinkelpause entlang einer langen Alleestraße, wir fanden das alles sehr spannend und witzig. 

Eine Uhr lief natürlich nicht am Handgelenk mit, sowas besaß ich nicht. Nach 16km passierte es dann. Mir wurde klar: Philipp, so weit bist du noch nie am Stück gelaufen! Geil! Gefolgt von: Scheisse, es sind noch 26km! Nun gönnten wir uns an den Verpflegungsständen ausgiebige Gehpausen. Cornelius erzählte mir was von der Glienicker Brücke, Agentenaustausch und so. 

Allgemein habe ich mal wieder viel gelernt, man hat ja auch Zeit! 

Etwas überrascht war ich über hämische Kommentare von älteren Herren die, während wir eine Runde flanierten an uns vorbei liefen: „So wird das nichts“ „Los weiterlaufen“ Lass die labern! Wir genossen die Sonne. Kilometer 21-30 waren endlos lang. Warum machen wir das eigentlich nochmal? Doch zum Aufgeben waren wir viel zu Stolz! Also ging es weiter. Bei mir meldete sich aber so langsam ein anderes Bedürfnis. Damals gab es keine Dixis alle 5km. Boah mir ging es immer schlechter, ich konnte mich nicht mehr auf das Laufen konzentrieren und scannte jede Möglichkeit ab um mich zu erleichtern.

DA! Ein Dixi!

Mitte im Villenviertel auf einem Baugrundstück. Die Tür war offen! Meine Rettung! Danach lief es wieder! Entfesselt möchte ich sagen. Vorbei an den Schlössern und Gärten sahen wir das 40km Schild. Krass! Nur noch 2 Kilometer! Ich begann nun meine Renntaktik zu planen. Für den Zieleinlauf wollte ich fahrt aufnehmen und glänzen. Bei Kilometer 41 tippte ich Cornelius auf die Schulter und sagte: Tschüß! Ich zog an und lief los! Es fühlte sich schnell an! Ich musste ihn einfach ärgern. Im Ziel war nicht viel los, das enttäuschte mich ein wenig. Nach ca. 4:48h überquerte ich die Ziellinie und fühlte nichts. Alles war leer. Ein komisches Gefühl. 

Wir wollten uns massieren lassen! Sowas haben wir schließlich bezahlt. Pustekuchen! 5 Freiwillige vom DRK hatten alle Hände voll zu tun. Es sah aus wie in einem Lazarett, wir mittendrin. Nun gut, dachten wir uns. Dann eben nicht, gehen wir einfach die Treppe wieder herunter die wir hinauf „gegangen“ sind. 

HAHA! Treppe runter gehen!

Was ist denn nun los! Aus Aus der Körper ist Aus! Wir lachten uns Gegenseitig aus, was auch weh tat aber es war so lustig anzusehen wie zwei junge Kerle in der Blüte des Lebens ihr selbiges nicht mehr fühlten. 

Ich weiß nicht wie ich zu Hause angekommen bin. Ich bin mit dem Rad zum Marathon angereist. Gut wenn man nur 3 km vom Start wohnt. Den Rückweg schob ich mein Rad und benötigte ca. 1 Stunde. Die kommenden 3 Tage krabbelte ich zwischen Bett und Bad durch die Wohnung. Ich hatte Angst, dass ich mich nie wieder bewegen konnte. 

Dieses Erlebnis war einmalig. Wir hatten unser Ziel geschafft. Es folgten 9 Jahre ohne das Laufen. 

Fazit

Rückblickend habe ich solch große Fehler gemacht, die mir meiner Meinung nach mind. 3 Jahre meines Lebens und 2 Bandscheiben kosteten. Aber, ich hatte es dennoch geschafft. Aus dieser „Dummheit“ habe  ich folgendes gelernt. 

Es ist manchmal besser sich weniger Gedanken zu machen. Man kann nicht alles vorhersehen, alle Risiken berechnen und berücksichtigen. Manchmal muss man es einfach machen.

Es ist wichtig seinen eigenen Weg zu gehen, seine Erfahrungen daraus zu ziehen und für sich selbst zu lernen.

Aus physiologischer Sicht ist dies mit 18 Jahren sicher leichter zu „wuppen“ als im Alter von 35 – doch diese Herangehensweise half mir schon in vielen anderen Lebensbereichen. 

PS. Der Name „Turnschuhheizer“ entstand aus diesem Erlebnis. Da ich meinen ersten Marathon in Hallenturnschuhen bestritt. 

 

(unbezahlte Werbung wegen Verlinkung und Nennung der Veranstaltung)

P.S.: Du hast auch eine spannende Laufgeschichte zu erzählen? Schreibe mir eine Mail an: derturnschuhheizer@gmail.com und vielleicht wird diese hier auf dem Blog veröffentlicht! 

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