Einmal einen Marathon laufen

Einmal einen Marathon laufen

„Oh ja, einen Marathon würde ich gern mal laufen!“

 Der Gedanke kam mir 2015. Wir hatten so viel anderes vor – unter anderem führten Philipp und ich eine Fernbeziehung und planten unsere Hochzeit, welche auch im gleichen Jahr stattfand. Ich werde die Worte unseres Pastors nicht vergessen, in denen er von unserem geplanten Marathon sprach. Also gab es kein Zurück mehr – immerhin hat er unser Vorhaben vor all unseren Gästen noch einmal verkündet. Naja, die meisten wussten es eh schon. 

Aber wie sah es eigentlich mit der Vorbereitung aus?

.. Schlecht! 

Ich hatte einen Trainingsplan und war absolut motiviert, wusste aber gleich, dass ich das zeitlich so nicht umsetzen kann. Ich fragte mich dann aber, ob es jemals Zeiten geben wird, in denen ich mehr Zeit zum Laufen finden würde? Wahrscheinlich nicht. Also: Jetzt oder nie! 

 Wenig Training und lange Läufe

Im Endeffekt lief ich ungefähr 1x 20km, 2x 30km und ich glaube, das war’s an langen Einheiten. Vor dem „Marathon-Training“ bin ich nie so weit gelaufen. 10km war das Weiteste. Eigentlich bin ich fast nur bei Volksläufen gelaufen, kaum trainiert – vielleicht 2-3x im Monat (nein, nicht in der Woche 😂).

Vielleicht hat mich das viele Fahrrad fahren ins Ziel gebracht?

Mein damaliges Auto hat sich wirklich kaputt gestanden und keiner hat mir geglaubt, wie wenig Kilometer dieses ältere Auto runter hat und vielleicht sollte ich die Situps vor und nach dem Schlafen nicht vergessen zu erzählen. 😂 

Mein Ziel war es immer, einen Sixpack zu bekommen – heute bin ich absolut weit davon entfernt – schade! 🤔
Das tut aber alles nichts zur Sache. Ich wollte immerhin auch einen Marathon laufen. Einmal.

Ist das wirklich alles richtig?

Als der Tag gekommen war – naja, eigentlich schon früher, wusste ich, dass das absolut bescheuert ist. Muss man wirklich auf Krampf einen Marathon laufen? Ja, irgendwie musste ich. Irgendwie musste ich beweisen, dass das auch so funktioniert. Dass jeder einen Marathon laufen kann, egal, wie viel Zeit man hat. „Alles faule Ausreden“, dachte ich. 

Frankfurt, 24.10.2015 – Marathonmesse

Pasta-Party! -> Nudeln essen! Ich wollte unbedingt die besagten Nudeln auf solch einer Messe finden. Ganz klar war das mein erster Gedanke dort. 😂 Und ich muss sagen, sie waren sehr lecker! 🤤

An dem Tag vor dem Marathon konnte man auch in den Zielbereich – in die Festhalle auf den roten Teppich. Das wollte ich aber nicht, da habe ich Philipp allein reingeschickt. Ich wollte nur da rein laufen, wenn ich den Marathon schaffe. 

Frankfurt, 25.10.2015 – Raceday

Im Hotel zog ich meine Laufklamotten an und machte mich fertig für dieses so sehr gewollte Event! Ich sagte schon im Hotel zu Philipp, dass das nicht gut sein kann, was ich hier mache, aber jetzt nicht zu starten wäre keine Alternative.

Am Start war ich von all den Menschen und Eindrücken abgelenkt, aber um so näher der Start kam, umso aufgeregter wurde ich. 

Gehpausen – ich soll unbedingt Gehpausen machen

Der Plan war es, wegen der schlechten Vorbereitung, alle 20 Minuten 1 Minute zu gehen. Nach den ersten 20 Minuten fiel es mir sehr schwer, diese Gehpause einzulegen – da war man noch frisch und absolut abgelenkt und voller Euphorie. 

Je mehr Kilometer dazu kamen, desto mehr habe ich mich auf die vollen 20 Laufminuten gefreut, manchmal habe ich das gut mit einer Verpflegung verbinden können. 

Ich weiß nicht mehr, wann es schwer wurde, aber ich glaube, es war schon kurz nach dem Halbmarathon. 

Schmerzen und ein „WARUM?“ in meinem Kopf

Nach 30km spätestens habe ich mich gefragt, wieso ich das alles eigentlich so gerne wollte? 

Nach 35 km war mir klar, dass ich das nie wieder mache. In meiner Gehpause hat Philipp zum Handy gegriffen und wollte motivierende Worte meiner Eltern einholen. Die sagten: „Wenn es nicht mehr geht, dann hör auf.“ Sie wollen halt nur mein Bestes! Aber aufhören? Nein, weiterlaufen! 

Und nach 40km wollte ich dann aufhören. Es gab ein paar prüfende Blicke nach hinten, ob irgendwo ein Besenwagen zu sehen ist und in meinem Kopf rechnete ich aus, ob ich auch noch vor dem blöden Wagen ins Ziel kommen würde, wenn ich nur noch gehen würde. Naja, ein bisschen noch laufen.

Endspurt

Philipp sagte mehrfach, dass ich es gleich geschafft habe, aber ich glaubte es nicht und dachte, ich muss in der Festhalle noch ein paar Meter machen, also brauchte ich noch ein paar Kräfte. Und dann sah ich den Eingang.. lief hinein und da war plötzlich unmittelbar vor mir der Zielbogen. Das ging mir dann nun doch zu schnell und ich war fast ein bisschen enttäuscht, dass ich mir noch ein paar Kräfte aufgehoben habe.  

Da war ich nun im Ziel. Falls es jemanden interessiert, es waren gute 5 Stunden, die ich mich gequält habe und Philipp einiges aushalten musste. 42,195 km hat mich mein Körper ins Ziel getragen. Wenn ich das hier so schreibe, muss ich sagen, dass ich ein wenig Gänsehaut bekomme. Es war nicht gut, es so untrainiert zu tun, aber stolz bin ich trotzdem. Und dankbar. Dankbar, dass Philipp es mit mir ausgehalten hat. Sich mein Gejammer angehört hat und mich dazu gebracht hat,  das irgendwie zu Ende zu bringen. Danke! 😘

Aber wo war nun mein verdientes Essen!? 

Und danach? Unmittelbar nach dem Marathon war ich erstmal enttäuscht. Keine Cola mehr da, auf die ich mich so gefreut habe.. kaum noch etwas anderes gab es im Zielbereich. Und das Schlimmste: Ich habe vor Ort keine Medaille mehr bekommen.. mir sind Medaillen generell überhaupt nicht wichtig, aber DIESE war mir wichtig. Das war schon sehr enttäuschend. Später kam die Medaille dann per Post, aber es war nicht mehr DER Moment. 

Ihr könnt euch vielleicht denken, was ich für höllische Schmerzen gehabt habe? Wir waren danach zu Besuch bei Philipps 85-jähriger Oma. Also ICH bin nicht vom Sofa gekommen und man musste auf MICH beim Einkaufen warten. 🙆🏼‍♀️ 

Im Endeffekt muss ich noch einmal sagen: Es ist nicht gut gewesen, dass ich meinen Körper so ins kalte Wasser geschmissen habe. Ein gutes Training ist mehr als sinnvoll. Das wollte ich das nächste Mal besser machen. „Das nächste Mal trainiere ich richtig.“, dachte ich kurz bevor ich mich für den Hamburg Marathon angemeldet habe.

Diese Geschichte könnt ihr hier nachlesen. 

Christin bei Instagram

(unbezahlte Werbung wegen Verlinkung und Nennung der Veranstaltung)

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